Bronchoskopie, alles halb so wild

Mir ist mal aufgefallen, dass viele Menschen in Internet-Foren schreiben, dass sie Lungenkrank geworden sind und das diese Krankheit mit einer Bronchoskopie, incl. Biopsie gesichert werden muss. Mein Beispiel ist z.B. die Sarkoidose. Bei mir wurde auch noch zusätzlich eine „Bronchoalveoläre Lavage“ (d.h. eine Spülung) gemacht.

Viele Menschen haben Angst vor dieser Bronchoskopie, kein Wunder, macht man ja nicht alle Tage. Ich hab auch Angst davor, das heißt, ich HATTE Angst davor. Ist auch ein Kunststück, meine letzte Bronchoskopie hatte ich vor 15 Jahren im Alter von 15. Damals war vieles anders und viel wilder als heute! Ist wirklich ein kleines Trauma von mir… Wenn ich da noch so dran denke…wie der Idiot mir dieses Metallding in den Rachen schob…bis zum Anschlag…! Also HÄTTE ich was gegessen, ich hätte ihm ALLES auf dem OP-Tisch präsentiert! Alphabetisch! Grr…

Aber heutzutage ist wirklich sehr vieles anders. Ich beschreibe hier mal den Ablauf, wie ich ihn vorgestern erlebt habe in der Ruhrlandklinik in Essen-Heidhausen. Ich bin stationär aufgenommen worden, weil ich auch während der Broncho schlafen möchte. So scharf bin ich nicht darauf, dass alles mitzuerleben 😉

So, morgens früh laufen alle mit Kaffee und Frühstück rum, nur ich nicht, ich darf ja später die Bronchoskopie erleben und muss dafür nüchtern bleiben. Klasse. Nervosität steigt so langsam… Recht früh werde ich von der Krankenschwester nach unten geschickt. Unten geh ich nochmal auf Toilette, klar, bin nervös. Ich muss mich in einen hellen Raum setzen wo gerade 2 andere aufwachen von ihrer Broncho. Die sehen aber eigentlich relativ fit aus?! Eine nette Krankenschwester gibt mir als erstes ein Mittelchen zum schlucken, damit ich bei der Broncho selber keinen Hustenreiz habe (klappt echt gut, schmeckt aber eklig). Nun darf ich ca. eine viertel Std. lang etwas inhalieren, sprich einatmen, aus einem Inhalator (fühlt sich an wie Shisha rauchen, ist auch relativ Geschmacksneutral). Das Zeug ist zur Betäubung des Rachens und zur Weitung der Bronchien, also immer rein damit. Meine Nervosität steigt weiter, aber die Schwester erzählt mir was vom Pferd um mich abzulenken, echt nett.
Jetzt darf ich „endlich“ in den OP-Raum. Viele Menschen laufen da mit Mundschutz rum und machen Witze über alles mögliche. Jetzt kommt eine Schwester mit meinem verhassten Sprühding auf mich zu. PANIK macht sich fast bei mir breit. Alles Quatsch! Erst sprüht sie mir in die Nase (nicht weit, tut nicht weh) und bittet mich während sie sprüht tief einzuatmen. Kein Problem. Jetzt will sie mir in den Rachen sprühen. Ich setze mich aufrecht hin, aber wirklich weit steckt sie mir das Ding nicht in den Rachen, ungefähr soweit, wie ein Arzt mit den Holzstäbchen um nach den Mandeln zu schauen. OK, also, Zunge rausstrecken, hecheln und sprühen. Das Zeug schmeckt auch nach gar nichts und tut nicht weh (und davor hatte ich Angst? Mist). So, ich leg mich wieder hin und der Arzt drückt mir ein Betäubungsmittelchen (in meinem Fall Dormicum) in den Zugang am Handgelenk.
Ab jetzt denk ich mir nur noch „So long, and thanks for all the fish“. Das der Schlauch eingeführt wird merk ich überhaupt nicht, lediglich der Übergang an den Stimmbändern spüre ich. Ist ein Gefühl, als hätte ich ein großes Stück essen runtergeschluckt, tut aber nicht weh, ist nur etwas „unangenehm“. Nichts wildes, ist mir eh egal wegen dem Dormicum. Hustenreiz hab ich auch nicht, dank dem Zeug, dass ich am Anfang schlucken durfte. Die Ärzte unterhalten sich über das was sie da treiben, interessiert mich aber nicht, ich erfahr es ja noch früh genug was los ist. Von der Lavage oder der Biopsie merke ich GAR NICHTS. Also Augen zu und nach mir die Sinnflut.
Gefühlte 5 Minuten später bedankt man sich bei mir und schiebt mich samt Liege in den Aufwachraum zurück. Da bleib ich eine Stunde liegen und dämmer so vor mich her. Jetzt werde ich nochmal geröngt und darf anschliessend wieder hoch in mein Zimmerchen. 2 Std. nach der Broncho darf ich endlich wieder was essen und trinken. Das wars.

Im Nachhinein ärger ich mich darüber, dass ich so nervös war.

So, ich hoffe, ich habe dem einen oder anderen die Angst genommen bzw. geschwächt vor der bevorstehenden Bronchoskopie. Der Arzt mit dem man sich vorher unterhält wird einem die Gefahren auch aufzählen, klar, er ist dazu verpflichtet. Schief gehen kann auch immer was. Aber die Gefahr, dass bei einer flexiblen Broncho etwas schief geht ist verschwindend gering. Als Autofahrer lebt man da gefährlicher. Wenn man auch noch bedenkt, dass hier in der Ruhrlandklinik am Tag etwa 10-15 Broncho’s gemacht werden, kann man sich vorstellen, dass die Jungs es können und das deren Technik ziemlich ausgereift ist. Dank an die Forschung 🙂

Ich wünsch euch allen alles erdenklich Gute und weiterhin viel Gesundheit.

LG Andi

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s