Geschichten aus dem Krankenhaus

Ich liege jetzt seit 14 Tagen in der Ruhrlandklinik und habe schon einige „interessante“ Menschen kennen gelernt.
Ein Freak, der meint, dass ihn der Arzt nicht richtig Ernst nimmt weil er ein „Angstpatient“ ist. Seine Freundin rief direkt erstmal bei seinem Psychiater an. Der Psychiater muss sich dann mit dem Arzt in Verbindung setzen. Ein komischer Typ, hat Lungenkrebs und bekommt den oberen Bereich der Lunge entfernt. Da nützt ihm auch der Privatpatient nichts. Armes Schwein dachte ich, hab ihn nach einer Woche wieder getroffen. Hatte gar kein Krebs, sondern „nur“ TBC. Das TBC wurde während der OP erkannt und entfernt. Er kann also ewig so weiter leben. Ich freu mich für ihn! Ehrlich!

Meinem besten Bettnachbarn hat man eine Taubenzüchterlunge zugesagt, leider besitzt er keine Tauben. Nach mehreren Untersuchungen entließ man ihn mit einer „Ideopathischen Lungenfibrose“. Das ist schlaudeutsch für „Wir haben keine Ahnung was Sie haben, aber sie werden höchstwahrscheinlich daran verrecken…“ Ich hab mit ihm die Handynr. ausgetauscht. Ich hoffe, er bekommt seine Lunge mit div. Medikamenten in den Griff! 40 Jahre sind zu jung zum sterben!!!!

Ein süßes Mädel traf ich beim Röntgen. Auch ne Drainage in der Brust, nen Beutelchen auf dem Schoß, saß, genau wie ich, im Rollstuhl. Schaute etwas traurig rüber, „Prost“ rief ich mit meinem Blutbeutel und siehe da, dass Mädel konnte sogar lächeln. Mit ihr freundete ich mich etwas mehr an. Sie erzählte davon, dass sie Krebs hatte und 4 Chemo’s hinter sich (hat aber noch Haare). Jetzt wurde bei ihr die gleiche Biopsie wie bei mir gemacht um festzustellen, ob sie Metastasen in der Lunge hat oder nicht.
Echt interessant, obwohl ich diese Frau erst ein paar Minuten kannte fieberte ich mit ihr und hoffte für sie mit, dass es kein weiterer Krebs ist. Diese 5. Chemo würde sie nicht überleben, sagte man ihr. Einen Tag später sprang sie vor mir rum, zwar mit Schmerzen, aber ohne Metastasen. KEIN KREBS! Ich hab mich so mit ihr gefreut. Einfach schön! Jetzt sitzen wir Abends ab und an irgendwo rum und quatschen. Ich finde ihr Gemüt so klasse. Eine Frau, der man schon 4 mal gesagt hat, dass sie Krebs hat und dennoch so stark ist. Wenn es jemand auf dieser Welt verdient hat zu leben, dann sie.

Hier laufen auch noch viele andere Gestalten rum und berichten teilweise von negativen, teilweise von positiven Geschichten. Allen Menschen wünsche ich alles erdenklich Gute für ihr Leben. Aber eins weiß ich:

Ich würde lieber bis zum Rest meines Lebens arbeitslos sein, als einen Beruf im Krankhaus anzunehmen. Die negativen Erlebnisse der Patienten würden mich auf Dauer Depressiv machen und auffressen.

LG Andi

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